Zwei Majestäten unter Schweizer Flagge

Adel, Monarchie? Höchstens am Dreikönigstag! Royales gibt es hierzulande höchstens aus den Regenbogenheftli beim Coiffeur?Nicht ganz. Denn auf europäischen Flüssen verkehren vier adlige Schweizerinnen.

Mit der Swiss Excellence River Cruise hat unser Land genau eine inhaberansässige Schweizer Reederei. Unter deren Flagge werden bald elf Flussschiffe in Europa kreuzen. Vier tragen monarchische Titel. Zur Excellence Queen und Excellence Princess gesellen sich schon bald die Excellence Baroness und die Excellence Countess. Während die «Baronin» im Mehrjahres-Charter zur Flotte stösst, wird die Excellence Countess neu gebaut. Interessante Hintergründe gibt Karim Twerenbold, Reedereichef und VR-Präsident der Twerenbold Reisen Gruppe im SCHIFFSPOST-Interview.

Zwei weitere Excellence-Schiffe gehen 2019 in Betrieb. Warum diese grosse Expansion?

Die Nachfrage für Flussreisen entwickelt sich positiv. Die spannende und zugleich entspannende Reiseformel hat Zukunft, davon sind wir überzeugt. Mit unserer Marke Excellence haben wir seit 2006 das gehobene Schweizer Qualitätsverständnis auf die Flüsse Westeuropas und Russlands gebracht. Wir haben mit Excellence die ganze Qualitätskette in der eigenen Hand und können diese nach unseren Richtlinien sichern und weiterentwickeln – das kommt unseren Kundinnen und Kunden zu Gute, in Form von Komfort und Reiseerlebnis. Das betrachte ich als grossen Vorteil. Die Excellence Baroness haben wir vorerst für 5 Jahre übernommen. Das Schiff wurde 2007 gebaut und hat ausgezeichnete technische und räumliche Voraussetzungen, um nächstes Jahr als behagliches kleines Schweizer Grandhotel «à la Excellence»unsere Gäste zu begeistern. Der Neubau der Excellence Countess ist in vollem Gange. Wir freuen uns sehr auf die beiden Schiffe!

Wie gehen die Arbeiten an der Excellence Countess voran?

Der Bau kommt gut voran, wir sind im Plan. Das Kasko, also die Stahlhülle des Schiffes, ist zu zwei Dritteln erstellt. Parallel arbeitet meine Mutter Nazly Twerenbold mit ihrem Designer-Team an der Umsetzung des Innendesign-Konzepts. Sie hat die Musterkabine bereits inspiziert und abgenommen. Die Elemente der Kabinen sind bereits in der Produktion. Das Kasko wird in der Nähe von Belgrad gebaut und dann für die weiteren Arbeiten nach Holland geschleppt.

Geschleppt? Ist das Schiff dann noch nicht fahrbereit?

Nein, es ist eine blanke Stahlhülle. Technik und Antrieb, wie auch der komplette Innenausbau – all das wird in unserer niederländischen Werft erstellt.

Wie nimmt man eigentlich den Bau eines Schiffes in Angriff?

Am Anfang steht der Generalplan, auch General Arrangement oder GA genannt. Ein solcher Plan zeigt die Vorgaben für die Gesamtkonstruktion des Schiffes. Den GA erarbeiten wir als Reederei gemeinsam mit den Werfingenieuren und dem Reisebüro Mittelthurgau, welches vor allem Kundenbedürfnisse in die Planung einbringt. Sobald der Plan steht, beginnt die Bauwerft mit den Detailplänen. Dann beginnen der Stahlschnitt und die Produktion der einzelnen Sektionen des Kaskos. Parallel startet das Designer-Team und erarbeitet die Material-, Farb- und Stoffkombinationen und erstellt so genannte «Mood Boards». Das sind Visualisierungen, die zeigen, wie alles miteinander kombiniert wird. Der erste Meilenstein der Designer ist die Erstellung der Musterkabine. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bauproduktion, Innenausbau-Teams und Design-Team ist sehr wichtig. Die gesamte Dauer des Baus beträgt etwa 16 bis 18 Monate.

Klingt logistisch anspruchsvoll. Was, wenn es irgendwo stockt oder etwas schiefläuft?

Die einzelnen Arbeiten müssen wie Zahnräder ineinandergreifen, da muss jeder den Zeitplan einhalten. An einem solchen Schiffbau sind fünf Hauptfirmen beteiligt: Bauwerft, Elektroinstallation, das Unternehmen für Heizung, Lüftung und Klima, der technische Ausrüster und der Schreiner für das Schiffsinnere. Alles in allem sind etwa 90 Firmen involviert. Für uns ist es ja nicht der erste Schiffsbau. Wir haben mit dem Umbau wie auch mit dem Bau von Schiffen inzwischen einige Erfahrung, haben gute Partner und eine zuverlässige Werft. Wir wissen, wo wir den Hebel ansetzen müssen, wenn es mal Probleme gibt. Unvorhergesehene Herausforderungen beim Bau gab es bisher bei jedem unserer Schiffe zu meistern. Das wird auch diesmal nicht anders sein (lacht). Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, aber in einem bin ich mir sicher: Das wird ein wunderschönes Schiff! Wir freuen uns jetzt schon auf die Schiffstaufe in Basel, dem Heimathafen der Excellence Countess. Am 24. Mai werden wir unsere «Gräfin» gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden feiern!

Dann alles Gute für den weiteren Verlauf!

Herzlichen Dank!

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