Coffee-Talk mit Thomas Bornhauser

Welche 3 Worte würdest du wählen, um dich selbst zu beschreiben?

Direkt, ehrlich, nicht immer einfach zu handhaben. Oups, das waren mehr als drei Worte…

Bild: SRF

Du hast auch in der Reisebranche gearbeitet, kannst du etwas mehr darüber erzählen? Und wie wird aus einem Touristiker ein Autor?

Ich habe immer gerne geschrieben. 1973 habe ich mich an meiner früheren Stelle mit meinem Chef verkracht. Und weil selten der Chef gehen muss, habe ich ihm gesagt, dass ich auch bei einem Reisebüro arbeiten könne, um in der Welt herumzureisen. Einige Monate später habe ich bei Hotelplan angefangen. In den sieben Jahren, die ich in der Reisebranche verbrachte, habe ich so ziemlich alles erlebt, was der Liebe Gott verboten hat, nicht nur der Liebe Gott (lacht).

Zum Beispiel?

Ich war im Auftrag von Brigitte Bardot und Franz Weber bei den Robbenjägern im St-Lorenz-Golfstrom in Kanada, habe FKK-Programme eingekauft – einmal auf Guadeloupe nur mit Aktenkoffer und Fotoapparat am FKK-Strand ausgestattet!-, war zweimal bei der Schweizer Waffenstillstandsüberwachungskommission in Panmunjom in Südkorea, dazu auch auf Besuch in Nordkorea, ich habe in Haiti einer echten Voodoo-Zeremonie beigewohnt, konnte mit der Concorde fliegen und, und, und… Viele dieser Erlebnisse sind auf meiner Homepage zu lesen, www.bosaugenblicke.ch («Kurzgeschichten»).

Neben deinen Krimis hast du mit einem Co-Autor zusammen auch Bücher über Weichkäse geschrieben, sogar ein Rezeptbuch mit Weichkäsen. Wie kam es dazu?

Der Weber Verlag in Thun, der meine Krimis publiziert, hat mich angefragt, ob ich Lust hätte, zusammen mit Co-Autor Dyami Häfliger ein Buch über Käsereien im Berner Oberland und im Emmental zu schreiben. Das haben wir dann gemacht, mit Erfolg. Es ergaben sich nämlich weitere Bücher über regionale Käsereien. Und bei einem Besuch bei Weichkäse-Spezialist Boncas in Dotzigen im Berner Seeland hat mich der Chef gefragt, ob ich für ein Rezeptbuch für Weichkäse zu haben wäre. Die Rezepte stammen aber nicht von mir, sondern von einem Profi! ich habe hingegen 25 Leute interviewt, die mit Boncas in Verbindung stehen: Vom Bauern, der die Bio-Milch liefert, über den Informatiker bis hin zu Spitzengastronomen, die ihren Gästen Boncas-Weichkäse nach einem feinen Essen servieren. Ist ein tolles Buch geworden.

Und dein Lieblingskäse?

"Das blaue Wunder", ein Blauschimmelkäse aus der Käserei "Chäs und so" von Christoph Räz in Uettligen. Und Ämmitaler denk!


Du hast exklusiv für die Gäste vom Reisebüro Mittelthurgau eine neue Kurzgeschichte verfasst. Wie hast du dich dafür inspiriert?

Man sagt mir eine gute Allgemeinbildung nach, und sehr, sehr viel Fantasie. Zudem war ich seinerzeit direkt in den Revisionsprozess Mord in Kehrsatz involviert, aber nicht im Dunstkreis der Täterschaft (schmunzelt)… Dort habe ich eine Menge in Sachen Ermittlungen, Rechtsmedizin und Justiz gelernt – und erlebt.


Eine gute Idee ist gefunden und es folgt das leere weisse Blatt, das den meisten Schriftstellern Angst macht. Wie überwindest du diese Furcht?

Ganz einfach: Wenn ich Schreibstau habe, versuche ich es gar erst nicht mit Schreiben. Das chunnt scho wieder…


Dein perfekter Schreibort?

Vercorin im Val d’Anniviers, einzig dort schreibe ich meine Krimis. Dort bin ich in meiner Welt. Wenn ich schreibe, könnte man die Ferienwohnung ausrauben, ich würde es nicht merken.


Wenn dein Leben verfilmt würde: welcher Schauspieler würde dich spielen?

Tom Hanks.


Dein neustes Buch in einem Satz (oder auch in zwei)

In WENGEN - erscheint im Oktober 2020 -geht es um eine riesige Ferienüberbauung beim Hundschopf, die ein kaukasischer Investor realisieren will. Er besitzt auch ein Formel-1-Team, auch das wird thematisiert, 2019 war ich backstage in Hockenheim.


Und darüber hinaus?

Fiktion für 2021 in BELPMOOS: Der Flugplatz wird geschlossen und umgenutzt. Hoffentlich überholt die Realität mein Buch nicht…

Cover vom neuen Krimi WENGEN Cover vom neuen Krimi WENGEN

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